Wer ist der Mensch?

   

Adam ist der Mensch. Denn das bedeutet der Name aus dem hebräischen übersetzt. Und zu Adam muss auch gleich die Eva gedacht werden. Diese bedeutet: "Belebte". Der Adam ist von Gott in seiner Sehnsucht, an seiner Herrlichkeit Teilhabe zu schenken, als Ebenbild Gottes geschaffen. Somit musste Adam aber eine Wirklichkeit annehmen, die außerhalb Gottes befindlich ist. Dazu half die Belebung durch eine Natur. Die Natur des Menschen, sein Leib, ist also die Hilfe, derer Adam bedurfte, um aus Gott herauszutreten und Ebenbild werden zu können.

   

Adam und Eva sind fortan nichts anderes, als die beiden Wirklichkeiten in uns Menschen: Geist zu sein in belebter Natur. Um die Fragen nach dem Woher, Warum und Wohin zu beantworten, müssen wir die Natur verlassen und den Geist zu Rate ziehen. Der Geist ist, da nicht stofflich, somit auch nicht durch die Wissenschaft zu ergründen. Er ist Teil Gottes.

Der Mensch wird Mensch durch das Wort. Das ist die wahre Schöpfungsgeschichte, die wir nicht in der Genesis lesen können, sondern im Prolog des Johannesevangeliums. Dort heißt es: „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts; was geworden ist, das war in ihm Leben.“

   

Hier haben wir eine Doppelbedeutung. Gott sprach das Wort: "Werde". Und alles entstand. Der Mensch holte dann aber durch das Wort alles in sein Leben.

   

Erst eine komplexe Sprache lässt den Menschen ein Bewusstsein über sich selbst erlangen. Somit gibt es bei uns Menschen auch keine Erinnerung an die Zeiten, bevor wir sprechen konnten. Die Sprache gab den Menschen die Fähigkeit die Gegenwart zu verlassen und biographisch zu werden. Der Mensch hat Vergangenheit und Zukunft. Damit ist er Person geworden. Denn alleine durch die Sprache ist der Mensch mit 10 Jahren der gleiche wie der Mensch mit 100 Jahren. Weil er durch die Wortbegabung Erinnerung hat, das Vergangene mit der Zukunft verbindet und somit zur Person geworden ist. Die Sprache überwindet Raum und Zeit und damit hat sie den Menschen aus dem Paradies katapultiert, in welcher die Tiere sich befinden. Sie sind in der Gegenwart gefangen. Paradies heißt ja übersetzt eingegrenzter Garten.

   

Person sein ist geistig und entzieht sich empirischer Forschung. Auch Gott ist Person. Auch Gott hat eine Biographie. Sonst hätte er keine „Werde“ aussprechen können. Denn für Gott gibt es die Zeit vor, während und nach der Schöpfung. Gott ist Teil dieser Schöpfung. Gott als Person entzieht sich also auch empirischer Forschung. Als Christen brauchen wir keine Affenschädel auszugraben und tausende Fragen abzuwägen, die wir nicht beantworten können.

   

Als Personen können wir im Persönlichen nach Gott suchen. Zum Beispiel dadurch, dass wir in den Ereignissen unseres Lebens seine ordnende Macht erfahren. Zum Beispiel, dass wir im Gebet persönlich erfahrbare Antworten bekommen oder die Nähe von einer friedvollen Liebe spüren. Und auch daran, dass die größte Kraft im Menschen die Nächstenliebe ist und nicht der Überlebenskampf. Dazu dürfen wir allerdings nicht die Medien zu Rate ziehen. Denn die Kameras dieser Welt sind auf die Konflikte dieser Erde gerichtet. Die Filmindustrie meidet das friedliche Miteinander wie der Teufel das Weihwasser. Denn das Normale, Allgegenwärtige ist nicht aufregend genug, um Kassen zu füllen.

   

Die gesamte Schöpfung kehrt zu Gott zurück. Aber Menschen sind während ihres Lebens Erlösungsbedürftig. Sie brauchen Glauben, Hoffnung, Liebe, um die Tragik des Todes zu überwinden. Dazu dient das Wort Gottes in Jesus Christus allein. Seine Lehre beinhaltet auch eine Abkehr von den Trieben und Überlebensstrategien in uns. Es ist keine Lustfeindlichkeit, sondern eine Kultivierung des Sexualtriebes, damit er den Menschen nicht zerstört. Wenn der Mensch seine Sexualität nicht in einer gottgegebenen Ehe lebt, dann kommt es allzu häufig zu sexualisierter Gewalt oder Ausschweifung auf Kosten des eigenen Friedens und zu Opfern. Das gleiche gilt für andere Lustbereiche. Erlösend ist also auch die Überwindung der vergänglichen Natur und Hinwendung zum Geist. In einem geordneten Leben  und in der Nächstenliebe, anstelle von Lustbefriedigung und Kampf. Dies ist eine Menschwerdung. Darum nennt sich Jesus der Menschensohn, weil er uns dies beispielhaft vorgelebt hat.

   

Es gibt fast keine Menschen, die nicht Erfahrungen mit Gottes Vorsehung in irgendeiner Weise gemacht hätten. Es gibt unzählige Menschen, die Gotteserfahrungen in Gebet und Meditation oder auf dem Weg des Glaubens gemacht haben. Dort ist Gott erfahrbar. Nicht im Ausgraben von Affenschädeln. Das hat nichts mit Wissenschaftsfeindlichkeit zu tun, sondern mit der weisen Erkenntnis, dass der Mensch selbst das Wachsen eines einzelnen Samenkorns zu einer Pflanze, niemals wirklich ergründen und erklären kann.